Im Rahmen einer Hockeyweb-Kampagne zum Deutschland-Cup (6. bis 8. November in München) interviewte ich am Dienstag den Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp (wer ihn nicht kennt, Klickt mal HIER). Natürlich erst einmal zum Thema Deutschland-Cup. Im ferneren Gesprächsverlauf ging es auch um die Themen Olympische Spiele in Vancouver, sowie um die Weltmeisterschaften 2010 in Gelsenkirchen, Köln und Mannheim. Natürlich schnitt ich dies erst einmal nur an, weil sich kurz vor diesen Turnieren sicher noch weitere Interview-Termine finden würden.
Ein ewiges Thema ist der Nachwuchs. Hier gab es auch ein paar interessante Antworten. Ich glaube, zu diesem Thema könnte man ein ganzes Buch füllen.
Auch Krupps Zukunft ist zum Abschluss unseres Gespräches ein Thema gewesen.
Hier nun einml das Interview. Original ist es in drei Teile auf www.hockeyweb.de erschienen. Die jeweilige, bzw. angepassten Einleitungspassagen habe ich mal rausgelassen:
Herr Krupp, neuer Ort, neues Glück? Was denken Sie, wird am Standort München anders sein als letztes Jahr in Frankfurt oder die Jahre zuvor in Hannover? Was ist ihr Eindruck?
Uwe Krupp: Letztes Jahr in Mannheim und in Frankfurt hat es uns, auch vom Interesse der Zuschauer her, gefallen. München ist ein gutes Pflaster für uns, mit einem riesigen Einzugsgebiet von traditionellen Eishockey-Standorten wie Rosenheim, Landshut, Bad Tölz usw.. Von daher erwarten wir aus diesen Regionen viele Zuschauer, welche den bisherigen Weg zum Deutschland-Cup immer als ziemlich weit empfunden haben. Zuschauer die es auch verdient haben, Spitzeneishockey zu sehen.
Stellt der Deutschland-Cup in diesem Jahr eine andere Bedeutung dar? Mit den Olympischen Spielen und den Weltmeisterschaften im eigenen Land stehen noch zwei weitere, wichtigere Turniere an. Wo können die Eishockeyfans den Deutschland-Cup in diesem Jahr einordnen?
UK: Der Deutschland-Cup ist ganz wichtig für die nächsten Turniere. Hier können sich die Jungs zeigen und empfehlen. Wir wollen gut spielen und dabei schon genau schauen, mit wem wir weiter planen können. Es ist auch eine Chance für die Spieler, die neu im Kader sind oder eine zweite Chance bekommen werden. Beispielsweise bin ich sehr auf Thomas Greilinger gespannt. Es ist sehr beeindruckend, wie er sein Leben wieder in den Griff bekommen hat und in der DEL beim ERC Ingolstadt gute Leistungen zeigt.
Wie sieht es mit den “Neulingen” aus?
Da ist der Torwart der Eisbären, Rob Zepp, der definitiv in einem Spiel das Tor hüten wird. Auch hat Ingolstadts Verteidiger Jakub Ficenec jetzt einen deutschen Pass. Ebenfalls wird Jason Holland dabei sein. Der hat jetzt endliche eine Spielerlaubnis für die Nationalmannschaft. Aber auch noch weitere junge Spieler werden eine Chance bekommen. Der endgültige Kader steht erst circa eine Woche vor dem Turnier fest.
Was halten Sie denn generell von Spielern die nicht aus dem deutschen Nachwuchs stammen, sondern eingebürgert wurden?
Prinzipiell ist es mir egal, wo ein Spieler Schlittschuhlaufen gelernt hat. Es wäre auch falsch, wenn ich nicht auf deren Erfahrungen setzen würde. Ganz im Gegenteil, sie sind ja keine schlechten Spieler. Sie agieren seit Jahren in der DEL und kennen hierzulande das Eishockey gut. Im Endeffekt geht es für mich als Bundestrainer auch darum, die beste Mannschaft aufs Eis zu bringen. Ein Team, welches das Eishockey in Deutschland, sowie die DEL gut repräsentieren kann. Zudem ist es auch so, dass sich diese Spieler integrieren wollen. Sie versuchen sogar so gut wie möglich Deutsch zu sprechen und wollen auch, wie zum Beispiel TJ Mulock, international dazulernen.
Herr Krupp, gehen wir die Spiele beim Deutschland Cup einmal einzeln durch. Zum Auftakt geht es gegen die USA. Was ist zu erwarten?
Zu erwarten ist ein sehr emotionales Spiel. Die USA werden eine sehr starke Mannschaft haben. Zwar werden wir den genauen Kader erst kurz vor dem Spiel kennen, aber das sie gut sind, wissen wir jetzt schon. Auch wenn dort wohl Spieler agieren werden, die in Europa spielen. Es werden aber die Besten sein, die in Deutschland, der Schweiz oder in Skandinavien spielen.
Kann man behaupten, dass die US-Amerikaner dann nicht eingespielt sein könnten? Immerhin kommen sie ja erst kurz vor dem Turnier zusammen und spielen ja nicht wirklich oft miteinander?
Obwohl die nicht oft miteinander Spielen, kennen die sich doch sehr gut. Meist waren sie schon als Jugendliche in Spieler-Entwicklungs-Camps. Haben dort zusammen gewohnt, trainiert und gespielt. Das wirkt sicher noch bis heute nach und macht sie mit Sicherheit nicht schlechter.
Gegen die Slowakei. Ist dort vielleicht ein Sieg zu erwarten?
Sicher könnten wir gewinnen. Aber die Slowaken haben anscheinend ihre Schwächeperiode überstanden. Sie hatten schnell ein Nachwuchskonzept auf die Beine gestellt und lassen seit 2007 ihre U 20-Auswahl in der ersten Liga mitspielen. Dies könnte sich natürlich auch positiv für die Slowaken auszahlen. Denn Teile dieser Generation spielen nun auch in der A-Nationalmannschaft.
Im letzten Spiel geht es dann gegen die Schweiz. Das ewige Duell?
Vom ewigen Duell brauchen wir nicht mehr zu sprechen. Das war es zu den Zeiten, als Truntschka oder Kühnhackl noch für Deutschland spielten. Heute laufen wir den Schweizern hinterher. Die Schweizer haben sich zu einem Top-Team in Europa gemausert, sie sind auf Platz 7 der Weltrangliste. Auch wegen ihrer konsequenten Nachwuchsarbeit. Für mich sind die der Favorit auf den Turniersieg.
Herr Krupp, warum sollten sich die Eishockey-Fans unbedingt um Karten für den Deutschland-Cup bemühen?
Ganz einfach: Weil er durch die Teams sehr gut besetzt ist. Außerdem gibt es Eishockey auf einem Niveau geboten, welches die Fans hierzulande nicht so oft sehen.
Wie geht es nach dem Deutschland-Cup weiter? Gibt es dann schon die ersten Entscheidungen für die Olympischen Spiele in Vancouver, was den Kader betrifft?
Mit Sicherheit können wir schon die ersten Entscheidungen treffen. Mit den Eindrücken, die wir gesammelt haben. Aber auch für Spieler die uns nicht so überzeugt haben, ist die Tür nicht zu. Wir werden sie trotzdem weiter beobachten. Ansonsten fliege ich dann erst einmal nach Nordamerika um unsere Spieler aus der NHL und der AHL zu beobachten und mit ihnen zu reden.
Wann und wie entscheiden Sie, wer bei den Olympischen Spielen dabei sein wird?
Einen vorläufigen Kader müssen wir schon im Dezember melden. Wir werden dies, wie schon gesagt, anhand Leistungen beim Deutschland-Cup, sowie in den einzelnen Klubs bewerten.
Wie wichtig ist in diesem Zuge das Vorbereitungsspiel gegen Lettland in Frankfurt?
Eigentlich überhaupt nicht. Weil dort nur ein Teil der Spieler sein wird, die letztendlich mit nach Vancouver fliegen. Fehlen werden definitiv die Spieler, die in Nordamerika sind. Wir freuen uns zwar, am tollen Eishockey-Standort Frankfurt spielen zu dürfen, für das olympische Turnier hat dies aber keinen Stellenwert. So hart es auch klingt, aber in Vancouver werden wir ohne gute Vorbereitung antreten.
Trotzdem, was machen die Olympischen Spiele für einen Eishockeyprofi aus? Abwechslung vom Berufsalltag?
Die Olympischen Spiele sind für die Europäer etwas ganz besonderes. Auch für die Sportler. Die Olympischen Spiele sind ja in Vancouver , in Kanada. Die Spiele sind mehr im Fokus der Nordamerikaner und steigern deren Aufmerksamkeit. Dadurch gewinnt auch das olympische Eishockeyturnier mehr und mehr an Bedeutung. Das bringt auch die Spieler weiter, erweitert dessen Horizont. Dies war ja nicht immer so. Aber die Entwicklung ist ganz gut.
Nach den Olympischen Spielen steht im Mai des kommenden Jahres die Weltmeisterschaften im eigenen Land an. Bereits im Februar 2008 verkündeten Sie, dass sie bei dieser WM mit der Nationalmannschaft “etwas reissen” wollen. Ziel solle es nicht sein, gegen den Abstieg zu spielen. Der olympischen Gedanken soll in Vancouver gelassen werden. Können Sie nun das Ziel genauer definieren? Auch in Anbetracht der letzten WM in der Schweiz, die ja nun überhaupt nicht erfolgreich lief?
Wir wollen noch immer etwas reissen. Wir werden auch die Mannschaft aufstellen, die von diesem Ziel überzeugt ist, die etwas erreichen will. Ich bin davon überzeugt, dass wir dies auch schaffen können. Darauf haben wir hingearbeitet, dass wir so weit wie möglich kommen. Wichtig ist aber, das der Einsatz stimmt und keiner von uns enttäuscht ist. Das sind wir unseren Fans auch schuldig. Mit Sicherheit gab es auch Rückschläge, wie bei der letzten WM in der Schweiz. Diese haben wir aber ausführlich analysiert. Das wird uns weiter bringen.
Herr Krupp, schauen wir noch etwas auf den Nachwuchs. Wie zufrieden sind Sie mit der Nachwuchsarbeit hierzulande und was hat sich seit ihrem Amtsantritt im Dezember 2005 in ihren Augen verändert?
Leider hat sich nicht so viel verändert. Neue Talente kommen immer noch aus den selben Gegenden wie bisher. Es sind meist die bayrischen Vereine, welche die Kinder erst einmal zu Talenten entwickeln. Die Besten von denen gehen dann zu den Klubs, die aktive Nachwuchsarbeit betreiben. Berlin, Mannheim oder Köln seien hier mal genannt. Das war zu Beginn meiner Tätigkeit beim DEB schon so und ändert sich nur sehr schleppend. Positiv anzumerken ist aber die auf den Weg gebrachte Kooperation zwischen dem DEB und der DEL zur Nachwuchsförderung.
Sie nannten Mannheim im Zuge der Nachwuchsarbeit. Vielleicht sollten wir das Jungadlerprojekt etwas kritischer betrachten? In der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) spielen dort die besten Talente Deutschlands. Allerdings stockt es nach dem altersbedingten Ausscheiden der Spieler von Seiten der Adler her etwas. Die besten Talente werden nur sehr stotternd in ihr DEL-Team integriert.
Fakt ist, die Mannheimer machen eine gute Nachwuchsarbeit. Ich glaube es würde noch schlechter um den deutschen Nachwuchs stehen, wenn es dieses Jungadler-Projekt nicht geben würde. Die Spieler werden dort gefördert und können sich gut aufs Eishockey konzentrieren. Das hilft uns auch in unseren Nachwuchs-Nationalmannschaften weiter. Wie Talente in das DEL-Team integriert werden, geht uns als DEB nichts an. Das ist die Arbeit des Klubs. Es ist aber auch nicht gesagt, dass ein DNL-Topscorer im nächsten Schritt auf dem selben Level bleibt.
Was wäre denn der beste nächste Schritt für einen jungen Spieler, der mit 18 oder 19 Jahren aus der DNL kommt?
Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die es gleich in die DEL schaffen. Aber der beste Weg wäre es sicher, wenn sich die Spieler langsam von der Oberliga her, über die 2.Bundesliga für die DEL entwickeln. Bestes Beispiel dafür ist Michael Wolf. Er spielte sich über beide Ligen bis in die DEL und ist heute wahrscheinlich der beste deutsche Stürmer.
Allerdings locken ja auch schon DEL-Klubs mit Verträgen?
Mag sein. Aber wie viele können sich dort letztendlich durchsetzen? Wenn man drei Jahre nur vierte Reihe spielt und es als Aufgabe hat, die Scheibe tief zu spielen, der kann sich nicht wirklich weiterentwickeln. Das Problem ist aber auch, dass einigen Spielern das schon genügt. Dann haben sie noch ein vom Klub gestelltes Auto und fühlen sich dann gut. Aber spielerisch nutzt es ihnen nichts, wenn sie nach dem Training die Pucks einsammeln und nur sporadisch zum Einsatz kommen.
Ein Fokus liegt auf das U20 DEB-Team, welches am Pokalwettbewerb der Eishockey-Spielbetriebs-Gesellschaft ESBG teilnimmt. Immerhin wurde ein nicht so schlecht aufgestelltes Dresdner Zweitliga-Team geschlagen. Wie ist dieser Sieg zu bewerten?
Zunächst ist es für mich absolut positiv zu bewerten, dass sich die ESBG-Klubs so schnell zusammengeschlossen haben und diesen Pokalwettbewerb fix ins Leben riefen. Es ist beeindruckend zu sehen, dass sich diese Klubs im Bezug auf den Nachwuchs in der Pflicht sehen. Der Sieg in Dresden war natürlich eine tolle Sache für uns. Eigentlich, dass wir überhaupt spielen konnten. Auch die Bedingungen dort waren für uns als U20-Team fantastisch. Auch Dank Dresdens Sportchef Steffen Ziesche, der nicht nur ein Förderer des Nachwuchses ist, sondern uns auch in vielerlei Hinsicht geholfen hatte. Der Sieg soll uns natürlich Schwung für weitere Aufgaben geben.
Ist es denn als Bundestrainer schwierig, zu den Trainern der einzelnen Klubs oder Vereine Kontakt zu haben?
Überhaupt nicht. Die Trainer von den Klubs die Nationalspieler abstellen, sind absolut offen mir gegenüber. Dadurch das ich jetzt in Deutschland lebe, besuche ich viele Spiele und habe viel Kontakt mit den Klubs.
Wäre es für Sie nicht reizvoll, selbst einmal in einem DEL-Klub mit Entwicklungspotenzial zu arbeiten? Mal selber an der Basis mit anzupacken?
Momentan konzentriere ich mich voll und ganz auf die anstehenden Turniere. Nach den Weltmeisterschaften bin ich dann schon fünf Jahre dabei. Eine ganz schön lange Zeit. Vielleicht will ich dann etwas verändern. Ob dann aber die DEL die erste Option für mich ist, kann ich auch noch nicht sagen.
Der Name Krupp tauchte dieser Tage in den Hamburger Medien im Zusammenhang mit der Suche der Hamburg Freezers nach einem Sportdirektor auf. Nur ein Gerücht oder gibt es Kontakte mit den Freezers-Verantwortlichen?
Ich hatte keinen Kontakt.
Herr Krupp, vielen dank für das ausführliche Interview.
Kein Problem.
Freitag, 23. Oktober 2009
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