Montag, 14. September 2009

Teamcheck Eisbären Berlin

Erstellt für www.hockeyweb.de

Eine neue Reise beginnt
Berlin, 3.September 2009

Das ist neu 2009/10

Fünf neue Spieler hat der Eisbären-Kader in der kommenden Spielzeit. Einer davon ist aber ein alter Bekannter. Verteidiger Derrick Walser agierte bereits von 2004 bis 2006 in Berlin und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Nach dem überraschenden Abgang von Deron Quint in die KHL war letztendlich der Weg für sein Comeback auf dem Berliner Eis frei. Allerdings hat Walser an seiner Fitness noch hart zu arbeiten. „Derrick ist sehr talentiert. Er soll einer der besten Spieler unseres Teams und der Liga werden.“, sagt Coach Jackson zum „alten Neuen“.

An Marvin Degon waren die Eisbären bereits vor der abgelaufenen Saison interessiert. Nur zögerte der US-Amerikaner für die Eisbären einen Tick zu lange mit der Unterschrift, weil er doch noch mit einem Engagement in der NHL liebäugelte. Als dies nicht klappte, unterschrieb er einen Einjahresvertrag bei den Grizzly Adams Wolfsburg und war somit schon einmal geografisch gesehen in der Nähe der Berliner. Degon ersetzt die Kontingentstelle des zehn Jahre älteren Brandon Smith (36), der von den Eisbären kein neues Angebot mehr bekam. Degon bewies laut Jackson bereits in der abgelaufenen Saison, sowie nach der Vorbereitung, dass er ein kompakter Spieler ist.

Mit Nationalstürmer T.J. Mulock kommt ein Topspieler aus der 2.Bundesliga, der es genauso wie sein Bruder Tyson in der deutschen Eliteklasse versuchen möchte. Ob er die Aufgaben eines Spielers wie Nathan Robinson übernehmen kann, ist allerdings fraglich. Bisher machte er aber einen guten Eindruck. Zeigte Leidenschaft, Bissigkeit und harten Einsatz. Auch Eisbären-Routinier Stefan Ustorf bescheinigte ihm bisher, ein „guter Eishockeyspieler“ zu sein.

Bei der Verpflichtung von Chris Hahn schieden sich die Geister. In der Vorbereitungsphase des Meisters hatte er allerdings einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Schnell und technisch gut beschlagen, geht der mit 1,74 m doch recht kleine Spieler auch dem Körperbetonten Spiel nicht aus dem Weg. Er spielt hart, schnell und klug und ist wohl ein idealer Mann für das Unterzahl-Spiel. Der vor 24 Jahre in Kanada geborene Hahn besitzt aufgrund seiner Vorfahren einen deutschen Pass.

Gebürtige Deutsche ist auch die Mutter von Jeff Friesen, dem fünften Neuzugang der Eisbären. Der 33-Jährige kam auf die Empfehlung von Marco Sturm an die Spree. Zwei Jahre lang hatte der Kanadier nicht der Hartgummischeibe hinterher gejagt und versucht nun in Deutschland wieder auf Kurs zu kommen. Zunächst im Training, sowie in den Testspielen konnte der einstige NHL-Star (fast 1000 Spiele) letztendlich nicht nur Mannschaft und Trainer, sondern auch Manager Peter John Lee überzeugen.

Das muss besser werden

Sucht man bei dem Team, welches zuletzt die Liga dominierte nach Verbesserungen, ist dies ein schweres unterfangen. Aber tatsächlich gibt es einige Punkte, die verbessert werden könnten. Vor allem gegen deutlich schwächere Teams lassen die Berliner öfter den „Bruder Leichtfuss“ agieren. Natürlich sind auch in dem langen Saisonverlauf schwächere Spiele nicht ausgeschlossen, aber gerade bei solchen Begegnungen schien bisher die Motivation nicht immer vollends vorhanden zu sein. Auch in der Abwehr gab es bisher die einen oder anderen Aussetzer. Zwar ist bei den Eisbären der „Angriff die beste Verteidigung“, allerdings erlebt man auch öfter ein „wie gewonnen, so zerronnen“, wenn nach dem umjubelten Tor der plötzliche Gegentreffer fällt.

Das könnte passieren

Die Eisbären gelten erneut als Titelfavorit. Das erreichen der Play-offs ist von daher kein Wunschdenken, sondern auch Anspruch. Anders als in der abgelaufenen Spielzeit müssen sich die Jackson-Schützlinge nur auf die DEL konzentrieren, da die Champions Hockey League (CHL) in dieser Saison pausiert. Andererseits fehlt nun auch die internationale Herausforderung, welche nicht nur Geld in die Kassen des Klubs spülte, sondern vor Allem in der weiteren Entwicklung der meist jungen Spieler sehr förderlich war.

Fazit

Die Eisbären befinden sich auf nahezu demselben Weg wie in den letzten Jahren. Wobei die Mischung immer besser und reifer wird. Allerdings gilt es in der Entwicklung der jungen Spieler nun auch darum, dass diese immer mehr Verantwortung übernehmen müssen um vielleicht schon ab der Saison 2010/11 in die Positionen der Routiniers Steve Walker (36 Jahre alt) oder Stefan Ustorf (35) zu schlüpfen. Ein Umbruch in den nächsten Jahren ist unausweichlich.

Abzuwarten bleibt auch, wie sich der Doping-Ärger um Florian Busch entwickelt. Wird der 24-jährige gebürtige Bayer im weiteren Saisonverlauf für den Spielbetrieb in der DEL gesperrt, so wäre das für die Eisbären, trotz eines tief besetzten Kaders, ein herber Verlust. Spannend könnte es auch werden, falls sich Torhüter Rob Zepp verletzen sollte. Mit Sebastian Albrecht und Markus Keller haben dort die Berliner zwei DEL-Neulinge auf der Back-up-Position. Allerdings hätte Manager Lee wenigstens mit den noch freien Ausländer-Lizenzen etwas mehr Flexibilität. Im Fazit sind die Berliner aber gut gerüstet, um sich der von einigen Gegnern ausgerufenen „Eisbärenjagd“ zu stellen.

Oliver Koch