Donnerstag, 30. Juli 2009

Die unendliche Geschichte - der Fall Busch

Gestern schrieb ich für www.hockeyweb.de

Fall Busch: Nächster Akt im "Doping-Ärger"
Berlin, 29.Juli 2009

Die Strafe gegen Florian Busch, im Vergehen einer zunächst verweigerten Doping-Probe und der daraus resultierenden Sperre von 22 Monaten (nach Urteil des CAS in Lausanne/Schweiz) ist, nach dem Einlegen von Rechtsmitteln durch Buschs Anwalt, zunächst vom zuständigen Schweizer Bundesgericht bis zum 31.August vom Vollzug "aufgehoben" worden. Bis dahin haben die anklagende Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sowie der Internationale Sportgerichtshof (CAS) Gelegengheit, bei dem Bundesgericht ihre Stellungnahmen zu dem "Fall Busch" abzugeben.

"Ein erster Schritt in die richtige Richtung!", wie Georg Engelbrecht, Anwalt des Berliner Nationalstürmers, zum Sport-Informations-Dienst (SID) sagte. Zumindest könnte nun die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) dem Lizenzierungs-Antrag von Florian Busch für seinen Arbeitgeber Eisbären Berlin stattgeben.

Die WADA bekräftigt das CAS-Urteil und steht mit den zuständigen nationalen und internationalen Stellen im Kontakt, um die Sperre durchzusetzen. (ovk)

Freitag, 10. Juli 2009

Ein großer Trainer ist abgetreten

Geschrieben für www.hockeyweb.de.

Ein großer Trainer ist abgetreten

Ingolstadt/Berlin, 10.Juli 2009

Erinnerungen an Ron Kennedy von den Hockeyweb-Redakteuren Arno Nahler (Ingolstadt) und Oliver Koch (Berlin)

Unvergessen in Ingolstadt

Den 23. November 2007 wird niemand vergessen, der damals in der Saturn-Arena zugegen war. Ron Kennedy, die Institution der Ingolstädter Panther, wurde nach einer längeren Niederlagenserie entlassen. Zusammen mit seinem Co-Trainer Jamie Bartman und Manager Stefan Wagner verließ er mit versteinerter Miene zum letzten Mal das Eisstadion, in dem er jahrelang seine größten Erfolge feiern konnte. Bei allen Beteiligten herrschte damals große Betroffenheit. Und niemand ahnte, dass Ron Kennedy nur 20 Monate später tot sein würde. Natürlich wusste man von seiner Erkrankung. Aber Kennedy selbst strahlte solch einen Optimismus aus, dass man einfach an eine dauerhafte Genesung glauben musste. Doch nun hat er seinen schwersten Kampf endgültig verloren.

2003 kam Ron Kennedy nach Ingolstadt und führte die Panther gleich in das Halbfinale der DEL. Als in der darauf folgenden Saison das gleiche Kunststück gelang, hatte der kanadische Trainer bei den Panther-Fans endgültig Kultstatus erreicht. Sportlicher Höhepunkt war im Jahre 2005 dann der Gewinn des Deutschen Eishockeypokals. Das sah auch Kennedy in der Rückschau so: „Der Pokalsieg wird hängen bleiben.“ In der Saison 2005/2006 belegten die Panther an 17 Spieltagen den ersten Platz in der DEL und starteten als Mitfavoriten in die Playoff-Runde. Doch von nun an ging es nur noch bergab: Dem frühen Ausscheiden gegen Hannover folgte wenig später die schwere Erkrankung von Ron Kennedy. Zwar kehrte er danach noch einmal für kurze Zeit an die Bande in der Saturn-Arena zurück. Aber die sportliche Talfahrt konnte Kennedy genauso wenig aufhalten wie seine zahlreichen Nachfolger.

Über deren Gründe zu spekulieren ist müßig. Natürlich haben Ron Kennedy und Manager Stefan Wagner durch personelle Fehlentscheidungen mit dazu beigetragen. Doch dies hat nun alles keine Bedeutung mehr.

Was bleibt, ist die Erinnerung an Ron Kennedy als ein Eishockey-Besessener, der mit Beharrlichkeit und Fleiß, ausgeprägtem Fachwissen und fast grenzenlosem Optimismus seine Teams zu großen Erfolgen führte.

Ron Kennedy hat sich um das Ingolstädter Eishockey verdient gemacht!

(Arno Nahler)

Unvergessen in Berlin

Es war im Sommer 1996, als Ron Kennedy erstmals als Cheftrainer den Wellblechpalast betrat. Es war der Beginn einer neuen Epoche im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen, wo das Kellerkind der Liga, der EHC Eisbären Berlin, einen Neuanfang wagte. Nach dem „Bosman-Urteil“ und dem entsprechenden Wegfall der Importspieler-Beschränkung kam zu diesem Zeitpunkt ein Team zusammen, welches in den Jahren der Endneunziger für viel Aufsehen sorgte. Eigentlich sollte damals der spätere NHL-Coach Andy Murray an der Stelle von Kennedy stehen, aber der entschied sich für eine Trainerkarriere in Nordamerika.

Ron Kennedy sorgte mit den Eisbären in der Spielzeit 1996/97 für Furore. Nicht nur der Wellblechpalast wurde in dieser Zeit ein Garant für Heimsiege, auch in fremden Stadien sorgten die Ostberliner für Beifall. Plötzlich war man nicht mehr die Schiessbude der Liga.

Der Erfolg, und die wohl markanteste Duftmarke in der Berlin-Ära Kennedys war wohl der erstmalige Einzug in das Play-off-Viertelfinale. Dort wartete der einstige Stadtrivale Berlin Capitals. In insgesamt vier Spielen (drei Siege, eine Niederlage) vollzogen die Eisbären den Machtwechsel im Berliner Eishockey. Die Berliner Gazetten waren voll mit Bildern jubelnder Fans, zusammen mit Ron Kennedy. Ohne Zweifel wurde dort Geschichte geschrieben.

Weiter wuchsen, nach dem erreichen des Halbfinales, die Bäume bis in den Himmel. Allerdings war der Traum von der ersten gesamtdeutschen Meisterschaft dann noch eine Nummer zu groß. Nach vier Spielen war gegen die Kassel Huskies Schluss. Im Endeffekt machten die Eisbären unter Ron Kennedy aber einen großen Schritt, kamen im Oberhaus der Deutschen Eishockeyliga (DEL) an.

Für die kommende Spielzeit 97/98 waren somit die Ziele gesteckt. Erfolge sollten her, welche aber in der ersten Saisonphase nur zäh zu erreichen schienen. Der Anfang vom Ende für Ron Kennedy als Trainer in Berlin. Letztendlich musste er seinen Platz räumen und ihn an seinen damalige Co-Trainer Peter John Lee übergeben. Für ihn und seiner damaligen Lebensgefährtin und späteren Frau Ricci ein sehr schwerer Schritt, fühlten sie sich doch sichtlich in der Hauptstadt wohl. Schon wie sein berühmter Namensvetter, der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy, konnte er behaupten: "Ich bin ein Berliner!"

Ron Kennedy wird in Berlin unvergessen bleiben.

(Oliver Koch)

Sein Leben war das Eishockey

Seit unserem gemeinsamen Abschied aus Ingolstadt ist der Kontakt zu ihm und seiner Frau nie abgerissen. Er war ein Profi durch und durch und hat immer versucht, das Beste für sein Team zu geben und ist dabei doch immer menschlich geblieben. Er hat jeden respektiert, sei es der Topstar oder ein Mitglied des Betreuerteams. Sein Leben war das Eishockey. Am meisten beeindruckt hat mich allerdings der Umgang mit seiner Krankheit. Ich habe nie erlebt, daß er mit seinem Schicksal gehadert hat. Ron war bis zuletzt ein äußerst positiver Mensch.

(Stefan Wagner - von 2002 bis 2008 Geschäftsführer des ERC Ingolstadt - seit Mai 2009 Manager der Schwenninger Wild Wings)

Samstag, 4. Juli 2009

Für Hockeyweb

Eisbären Juniors vor Rückzug
Berlin, 28.Mai 2009
Ehemalige Spieler entscheiden heute Meisterschaften, aber trotzdem scheint dieses Projekt nun am Ende zu sein.
Mit den Eisbären Juniors wird ein weiteres Team nicht mehr in der Oberliga antreten. Das Farmteam des Deutschen Meisters Eisbären Berlin wird sich nach Hockeyweb-Informationen aus dem Betrieb der dritthöchsten deutschen Spielklasse zurückziehen.
Einer der beiden Hauptgründe soll dabei die geplante Neustrukturierung der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) sein. Dabei sollen ab der Spielzeit 2010/11 die Altersklassen auf 16 bis 18 Jahre, plus der „Overager“ bis 19 Jahre (bisher 18) erweitert werden. Genau die größtenteils in der Entwicklung entscheidenden Jahrgänge, mit denen die Berliner bisher in der Oberliga angetreten sind. Ob aber der Lerneffekt in der neustrukturierten DNL der gleiche ist, bleibt fraglich - zeichnete sich die Entwicklung der meisten Juniors-Spieler doch darin ab, dass sie gegen erfahrene Cracks im Spielbetrieb ihren Mann stehen mussten. Ein wichtiger Punkt, auf den stets Wert gelegt wurde und auch über die Grenzen Berlins hinaus für Ansehen sorgte.
Zuletzt lobte der Trainer der Adler Mannheim, Doug Mason, das Berliner Juniors-Projekt. „In Berlin ist es so, dass die jungen Spieler in entscheidenden Situationen auf dem Eis stehen müssen. Sie können sich hinter keinem Ausländer oder anderen erfahrenen Spieler verstecken. Und das ist der Punkt, weshalb die Spieler dort so gut ausgebildet werden und sogar Meisterschaften entscheiden.“
Aber auch der wirtschaftliche Aspekt scheint der zweite Hauptgrund für den Ruckzug zu sein. Es ist unübersehbar, dass dieses Projekt ein Zuschussgeschäft war. Sponsoren sind Mangelware und zeigen wahrscheinlich nur ihren guten Willen wegen der weiter greifenden Nachwuchsarbeit. Auch bei den Fans stößt dieses Projekt, schaut man auf die Resonanz, wohl auf wenig Gegenliebe. Selbst die Tatsache, dass die jungen Cracks noch im einst innig und heiß geliebten - und vor dem Umzug in die o2 World so tränenreich verabschiedeten – Wellblechpalast spielen, war kein Grund, den Zuschauerschnitt vielleicht mal in einen mittleren dreistelligen Bereich zu heben. Vielleicht auch dem geschuldet, dass der sportliche Erfolg eher mager war. Aufgrund des Ausbildungscharakters allerdings teilweise nachvollziehbar.
Kein Pfund, mit dem für eine weitere Finanzierung auf dem bisherigen Niveau dieses Nachwuchsprojektes gewuchert werden könnte. Eher müssten die Kosten wohl auf das DEL-Team abgewälzt werden. Dies ist aber unvorstellbar, gilt es doch eine schlagkräftige Mannschaft zu haben um weiter Zuschauer für sich und ihren Sport zu begeistern und zu binden. Da mag jeder Cent gut angelegt sein. Für ein eigenes Farmteam bleibt dann mit Sicherheit nicht mehr viel übrig.
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Wie kann es nun in der kommenden Saison weitergehen? Zum einen gibt es da den einstigen Kooperationspartner der Juniors, FASS Berlin. Dort werden Spieler unterkommen, die noch zur Schule gehen. Vorstellbar ist auch eine Zusammenarbeit mit den Dresdner Eislöwen, welche mit Sicherheit an Talenten zur Kaderergänzung interessiert sind. Der dortige Manager Steffen Ziesche war bis vor wenigen Wochen noch Sportdirektor bei den Eisbären Juniors.
Ein offizielles Statement zu dem Projekt wird für die nächsten Tage erwartet. (Oliver Koch)

(Erschienen am 28.Mai 2009 - HIER )